Peter Koller

Ein paar Seiten von mir!

Eine traumhafte Tour!




Pilgerfahrt zum gelobten Ring: Spreewald-Rundstrecke bei Berlin (Sommer 2010)

Auch diesen Sommer bin ich wieder mit Urs unterwegs. Ein Teil des Bildes ist allerdings gewöhnungsbedürftig: Urs auf meiner ex-1200 Sport, ich auf seiner ex-V11 Café Sport. Der andere Teil des Bildes ist sehr vertraut: Wir jagen rasant vorwärts - dieses Jahr durch Allgäuer, Bayrische, Oberpfälzer und andere Wälder in Richtung Norden. Am Sonntagabend wollen wir am Spreewaldring eintreffen und zwei Tage lang im Kreis rum fahren.


Dienstag, 27. Juli 2010

Rheinfelden - Krün am Barmsee
(402km)
Nach der etwas langweiligen Autobahnfahrt durch die Schweiz geniessen wir die Kurven ins Allgäu.

Mittwoch, 28. Juli 2010

Krün am Barmsee - Schönberg
(355km)
Heute steht Bayrischer Wald mit sanft geschwungenen Kurven auf dem Menü.

Donnerstag, 29. Juli 2010

Schönberg
(315km)
Der Tag beginnt nicht vielversprechend: wir fahren im Regen durch Regen!
Abstecher nach Tschechien: Cesky Krumlov, wo wir die historische Altstadt besichtigen und vom Regen eingeholt werden. Deshalb Flucht via Österreich zurück zum Hotel.

Freitag, 30. Juli 2010

Schönberg - Konnersgreuth
(292km)
Jagd durch weitere Wälder - teils trocken, teils nass, aber immer rassig! Am Abend geniesse ich ein gemütliches Bier, während Urs die Tour von morgen in den TomTom töggelt - rollende Planung halt: Fränkische Schweiz - Marien- und Karlsbad in Tschechien - Erzgebirge. Ich versuche am iPhone ein Hotel im Erzgebirge zu organisieren, bevor der Akku leer ist.

Samstag, 31. Juli 2010
Konnersgreuth - Eibenstock
(381km)
Nach einem rechten Frühstück verlassen wir Bayern. Bald kreuzt ein hungriger Dachs auf dem Weg in ein Maisfeld die Strasse vor uns. Da er von rechts kommt verstehe ich das als gutes Omen. Nach dem Mittagessen überqueren wir wieder die Grenze nach Tschechien. Leider hat Urs sein Navi so programmiert, dass es Mariánské LáznÄ“ schnöde links liegen lässt. Dabei hätte ich gerne etwas Bäderkultur angeschaut. Auch der Markt in Potucky ist uns kein Stopp wert. Und dann führt uns das Navi über holprigste tschechische Nebenstrassen zurück nach Deutschland. Dort ist gleich einmal eine Strasse gesperrt. Da das Navi nicht wirklich weiter weiss, trinken wir im Fichtelgebirge etwas und erkundigen uns beim Kellner nach dem Weg zu unserem Nachtquartier. Schliesslich erfahren wir von anderen Motorradfahrern, dass wir die gesperrte Strasse ohne Probleme befahren könnten! So erreichen wir schliesslich unsere Hammerschänke, wo uns ein ausgezeichnetes Abendessen erwartet: Schweine Medaillons, frische Pfifferlinge, Kroketten und Salatbeilage. Da das gut schmeckt, werde ich tollkühn und bestelle zum Dessert ein Glas Wein und eine Käseplatte. Der Wein ist gut, die Käseplatte mit Liebe arrangiert - aber na ja, wir sind halt in Sachsen ;-)

Sonntag, 1. August 2010

Eibenstock - Spreewald-Parkhotel
(393km)
Die Spannung steigt: noch einen Tag können wir uns auf freien Landstrassen bewegen, und dann fahren wir zwei Tage lang im Kreis herum ;-) Damit wir nicht zuviel über diese dramatische Veränderung unseres Daseins grübeln können, hat Urs einen Cocktail aus unzähligen Kurven im Erzgebirge und in Tschechien in sein TomTom eingetögglet (natürlich erst nach dem genauen Studium der entsprechenden Blätter der Motorrad-Reisekarte Norddeutschland). Der Tag schlängelt sich denn auch prächtig bergauf und bergab, bis wir irgendwann in Sebnitz ankommen. Nach einer schönen aber nerventötend beschränkten Fahrt entlang einer Strassenbahn durch Erholungswälder, stellen wir ernüchtert fest, dass wir uns nun in allzu flachen Regionen befinden und rasen auf schnellster Autobahn zum Spreewaldring Parkhotel. Da dieser Teil der Route navigationstechnisch nicht wirklich anspruchsvoll ist, darf uns für ein Mal mein nigelnagelneues Garmin den Weg weisen, was es gut tut, obwohl mir Urs zu Schluss nicht mehr folgen will. Aber da bleibe ich stur. Wenn ich schon Geld in dieses Teil investiert habe, dann wird ihm auch gefolgt, jawohl!
Das Hotel ist für unsere Ansprüche etwas sehr nobel, aber wenigstens können wir uns im Fitnessraum auf die Strapazen des Rundstreckentraining vorbereiten. Und wir haben unseren Spass am ziemlich unkonventionellen Eintreffen einer Filmteams.

Montag/Dienstag, 2./3. August 2010
Rundstreckentraining auf dem Spreewaldring (256km)
Und jetzt also der Höhepunkt unserer Ferienreise: zwei aufregende Tage auf dem Spreewaldring. Am Morgen regnet es jeweils. Doch dann trocknet die Piste zweimal schnell ab und dank der perfekten Organisation durch Karsten und sein Team kann ich an ein beiden Tagen je 7 viertelstündige Turns fahren.
Am Montag schliesse ich mich der Gruppe an, die von Dirk instruiert wird. Er stimmt uns in den 7 x 15 Minuten optimal auf den Kurs ein. Wir erhalten jede Menge wertvoller Tipps, die für mich auch auf der Strasse hilfreich sein werden. Am Dienstag fahre ich dann in der Krabbelgruppe und versuche, mich an meine Grenzen heranzutasten. Es macht ganz einfach Spass!
Ganz herzlichen Dank an die OrganisatorInnen und an Dirk!

Mittwoch, 4. August 2010

Spreewald-Parkhotel - Braunlage
(422km)
Da Urs sich neue Reifen in die Boxengasse bestellt hatte und diese nach der Montage so richtig auf der Piste einfahren konnte, ging’s am Mittwoch flott weiter: zuerst brachten wir das Flachland auf der Autobahn hinter uns und peilten dann unser nächstes Ziel an: das Harzgebirge. Nach einer kurzen Mittagspause in Bad Harzburg fanden wir in Braunlage eine Unterkunft für die Nacht. Dort stellten wir uns spontan eine Besichtigungstour zusammen, welche wir sofort unter die Räder nahmen. Die Harzkurven haben es in sich: zum ersten Mal musste Urs die Dienste seines Schutzengels, den er im Tankrucksack mitführt, in Anspruch nehmen.
Der Zwischenfall aus der Perspektive des vorausfahrenden Urs:
in einer Linkskurve sieht er plötzlich, dass der Strassenrand ohne Belag und nur noch von losem Schotter bedeckt ist. Da er der Stelle nicht mehr ausweichen kann, beschliesst er den Notausgang zu nehmen. Anstatt um die Kurve zu lenken, fährt er geradeaus die Grasböschung zum Waldrand hinauf. Dort bleibt er im Morast stecken.
Derselbe Zwischenfall aus meiner Perspektive:
Die Harzkurven sind knifflig und der Strassenbelag nicht immer gut. Also konzentriere ich mich voll auf meine Linie und visiere Urs vor mir jeweils nur kurz an. Plötzlich nehme ich aus dem Augenwinkel heraus wahr, dass er die Strasse verlässt und die Böschung hinauffährt. In einer Zehntelsekunde geht mir durch den Kopf: „Was zeigt denn das TomTom von Urs wieder für einen Scheiss an? Also bis jetzt bin ich allen Fehlentscheiden immer brav gefolgt, aber dort hinauf fahre ich partout nicht!“ Also lasse ich meine V11 auf der Strasse ausrollen. Erst dann merke ich, weshalb mein Kollege jetzt da oben steckt.
Nach diesem Schock genehmigen wir uns einen Espresso (oder was man dort darunter versteht) an einer Imbissbude, wo vor der Wende die Grenze verlief.

Donnerstag, 5. August 2010

Braunlage - Tauberbischofsheim
(464km)
Heute gibt’s zuerst noch einmal eine geballte Ladung von Harzkurven – und dann die zweite brenzlige Situation für Urs: in einer Waldpassage kurz nach Eisenach überrascht er einen grossen Greifvogel, der die Flucht ergreift, aber nicht wirklich schnell Höhe gewinnt. Von hinten sieht das ganz dramatisch aus: ich befürchte einen Moment lang, dass dieser Riesenapparat, der sehr träge vom Boden abhebt, in den Helm von Urs knallt. Aber auch hier tut der Schutzengel im Tankrucksack seinen Dienst zuverlässig und wir kommen mit dem Schrecken davon. Kurz danach steuert Urs eine Beiz an, weil sein Magen knurrt. Bis wir etwas bekommen, muss er sich allerdings ziemlich gedulden, denn der Wirt stellt in der Küche immer wieder fest, dass ihm die Zutaten zu den Gerichten fehlen, die Urs bestellt. Schliesslich bekommt er doch noch einen recht eigenartig ausschauenden Toast Hawai.
Und dann setzt der grosse Regen ein. Durch und durch nass erreichen wir am Abend Tauberbischofsheim. Da wir zum ersten Mal auf unserer Tour keine Unterkunft am Handy vorgebucht haben, müssen wir uns auf die Suche machen. Diese gestaltet sich gar nicht so einfach, weil wir kaum Hotel sehen. Schliesslich weist uns eine Frau den Weg zum Badischen Hof, wo wir unsere Mopeds in die Garage stellen und unsere Klamotten trocknen lassen können. Urs behandelt seine Handschuhe derart intensiv mit dem Fön, dass dieser seinen Dienst kurzfristig quittiert. Dafür dürfen wir nachher den Anblick einer reizenden Kellnerin und ein hervorragendes Abendessen geniessen (die x-te Variation mit Pfifferlingen – Deutschland ist da unglaublich kreativ). Aber auch die Dinkelcrèmesuppe ist äusserst empfehlenswert (nach dem Griespudding in Braunlage mein zweiter kulinarischer Höhepunkt auf dieser Tour).

Donnerstag, 5. August 2010

Tauberbischofsheim - Lörach
(520km)
Am Morgen regnet es zu unserer Enttäuschung in Tauberbischofsheim immer noch unablässig. Beim Frühstück bin ich für ein rasches Verschieben westwärts, weil dort das Wetter besser sein soll. Urs hingegen zweifelt an den Wetterberichten, denn er möchte unbedingt noch zu mototec, der Firma, welche die Stummellenker herstellt, die er meiner Café Sport verpasst hat. Schliesslich treffen wir pudelnass bei bei Roland Däs in Birkenlohe ein, wo Urs zu einem heissen Kaffee eine weitere Bestellung aufgibt und angeregt mit dem Chef fachsimpelt.
Danach wird mein Wunsch berücksichtigt und wir fahren zur Autobahn westwärts. Und tatsächlich – von Stuttgart an wird es endlich trocken und sonnig :-) Also klemmen wir uns im McDonald’s bei Herrenberg an der Autobahn hinter die Karten und planen den letzten Rest unserer Heimfahrt durch den Schwarzwald. Langsam fühlen wir uns wieder zuhause und gleiten enthusiastisch Richtung Lörrach.
Nach 3'800 Kilometern in zehn Tagen und einem letzten Fotohalt lotst uns Urs pünktlich zum Guzzihock in Lörrach, wo wir von Susanne, der Frau von Urs, und dem neuen Wirtepaar empfangen werden. Und irgendwann taucht auch noch Ernst auf und kümmert sich darum, dass es in Zukunft beim Hock das rechte Bier gibt.

Peter Koller aus Rheinfelden

Lustvoll unterwegs,

aber genau so gerne wieder zuhause!

😏


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Letzte Aktualisierung: 20.07.2016