Peter Koller

Ein paar Seiten von mir!

Eine traumhafte Tour!




Slowenienreise mit Urs (Sommer 2008)



Sonntag, 29. Juni 2008

Route: Rheinfelden - Laufenburg - Waldshut - Blumberg - Singen - Stockach - Owingen - Hohenbodman - Meersburg - Fähre nach Konstanz - Bischofszell - Schwägalp - Maienfeld - Davos - Zernetz - Ofenpass - Müstair (420 Kilometer)

Um 9 Uhr fahre ich bei warmem Wetter alleine von zu Hause ab. Erstes Ziel: Moto Guzzi-Bodenseetreffen in Hohenbodman. Dort treffe ich mich um 11.30 Uhr mit Urs. Gemeinsam machen wir uns auf den Weg zu unserem ersten Etappenziel: Hotel Münsterhof in Müstair.



Montag, 30. Juni 2008

Route: Müstair - Stilfserjoch - Bormio - Gavinapass - Edolo - Vivionepass - Presolanopass - Bergamo - Lecce - Mandello del Lario - Chiavenna - Bergell -Malojapass - St. Moritz - Berninapass - Forcola di Livinio - Livinio - Bormio - Umbrailpass - Müstair (510 Kilometer)

Heute hat Urs extra für mich eine Pilgerreise auf seinem Navi programmiert: Da ich noch nie im Moto Guzzi-Werk war, geht's heute über diverse Pässe nach Mandello del Lario am Comersee. Dort schiessen wir die obligaten Fotos vor dem Werkstor und besuchen das Museum. Völlig hungrig nach Kurven hängen wir am Abend noch den Berninapass, die Forcola di Livinio und den Umbrailpass an die geplante Route an. So kommen schliesslich stolze 510 Kilometer zusammen. Übernachten tun wir noch einmal im Hotel Münsterhof in Müstair.
Heute hatte übrigens Urs seine heikle Situation: in Edolo musste er mit aller Macht in die Klötze, weil eine Autofahrerin vor ihm plötzlich einen Parkplatz gesehen und ohne Vorwarnung abgebremst hat (Urs konsultierte gerade das Navi). Von hinten hat's hoffnungslos ausgesehen, aber durch alternierendes Schliessen und Öffnen der Bremse konnte er sein Bike tatsächlich auf den Rädern halten. Eine reife Leistung! Mein absoluter Schreckmoment dagegen liess bis auf den letzten Tag und die letzten 300 Meter vor dem Ende auf sich warten. Doch davon später.




Dienstag, 1. Juli 2008

Route: Müstair - Reschenpass - Landeck - Sölden - Timmelsjoch - Meran - Gampenjoch - Mendelpass - Kalterer Höhe - Bozen - Obereggen (330 Kilometer)

Nach dem gestrigen Besuch der Heimat unserer Guzzi steht heute die Fahrt ins Südtirol auf dem Programm. Dort wollen wir zwei bis drei Tage lang weitere Pässe stürmen. Urs ist wie immer gut in Form: aufsTimmelsjoch hinauf jagt er eine Triumph Tiger derart hartnäckig, dass ich kaum folgen kann. Oben ist es empfindlich kühl, so dass wir nur einen kurzen Halt einlegen.
Am Nachmittag müssen wir dann auch noch vor heftigem Regen in eine Beiz flüchten. Und weiteres Ungeschick folgt: In Meran lasse ich den Helm vom Tank fallen. Die Visiermechanik auf der rechten Seite ist defekt, sodass ich vorerst einmal ohne Visier fahren muss. In Bozen versuchen wir das Ersatzteil zu erhalten. Leider ohne Erfolg: die lokale Honda-Garage schickt uns nach Blumau in die offizielle Arai-Vertretung. Doch dort findet man nichts in der Schuhschachtel mit Ersatzteilen. In der Zwischenzeit haben wir auch herausgefunden, wie sich das Visier provisorisch wieder einhängen lässt.
Trotz aller Widrigkeiten erreichen wir unser Ziel kurz vor sieben Uhr: das
Bikerhotel Rauth in Obereggen bei Bozen. Nach dem ausgezeichneten Abendessen überrede ich Urs in der Bar noch zu einer Partie am Töggelikasten.



Mittwoch, 2. Juli 2008

Route: Obereggen - Welschnofen - Karerpass - Vigo di Fassa - Canazei - Passo Fedaia - Passo di Falzarego - Passo di Valparola - St. Kassian - Stern la Villa - Grödner Joch - Sellajoch - Passo Pordoi - Passo Campolongo - Grödnerjoch - Wolkenstein - Kastelruth - Blumau - Bozen - Blumau - Tiers - Nigersattel - Obereggen (291 Kilometer)

Für heute hat Urs auf seinem TomTom Rider den ersten Tag der Südtiroler Spitzkehren programmiert: über unzählige "tornanti" erklimmen wir einige der schönsten Pässe.
Und am Abend habe ich dann auch noch Glück: im Hein Gericke-Shop in Bozen können wir dank einem hilfsbereiten Verkäufer und der Handfertigkeit von Urs mit den vorhandenen Ersatzteilen eine funktionierende Visiermechanik zusammenbasteln.






Donnerstag, 3. Juli 2008

Route: Obereggen - Passo di Lavazè - Molina di Fiemme - Passo Mánghen - Telve - Caldonazzo - Lago di Caldonazzo - Centa San Nicolo - Folgaria - Roveretto - Torbole - Riva del Garda - Arco - Dro - Lasino - Bondone - Lavis - Cembra - Grumès - Casrllo Moline - San Lugano - Kaltenbrunn - Aldino - Obereggen (386km)

Das Ziel ist klar: an den Gardasee soll's gehen - aber natürlich über kleinste Strassen und viele Höhen. Am Morgen begeistert uns der Passo Mánghen mit seinen engen Kurven und seiner ursprünglichen Natur.
Nach einem Kaffeehalt am Lago di Caldonazzo wird's am Nachmittag heiss. Deshalb werfen wir nur einen kurzen Blick auf den Lago di Garda, drängen uns durch den dichten Verkehr in Riva del Garda und kurven dann wieder durch einsame und kühlere Bergstrassen zurück nach Obereggen. Besonders schön ist die Strecke zwischen Lasino und Grumès.





Freitag, 4. Juli 2008

Route
: Obereggen - Karrerpass - Passo di Pordoi - Arabba - Passo di Falzarego - Cortina d'Ampezzo - Passo Tre Croci - Auronzo - Sappada - Ravascletto - Plöckenpass - Kötschach-Mauthen - Hermagor - Arnoldstein - Finkenstein - Ferlach - Loiblpass -> SLOWENIEN - Trzic - Kokrica - Britof - Seeberger Sattel - Bad Eisenkappel - Galizien - St. Kanzian (460km)

In der gestrigen Kaffeepause am Lago die Caldonazzo konnten wir die Schwägerin von Michael aka petzi-opa (Mitglied des Forums www.guzziworld.ch) mit dem Handy erreichen. Ihre Mutter führt in St. Kanzian am Klopeinersee das Hotel Puschnig. Sie hat zwei Zimmer für uns reserviert. Also geht's auf nach Kärnten!
Der TomTom Rider hat für unsere Reise acht Stunden berechnet. Irgendwo nach dem Plöckenpass merken wir aber, dass wir viel früher dran sind. Wir beschliessen deshalb, schon heute einen kurzen Abstecher nach Slowenien zu unternehmen. In Ferlach verlassen wir Österreich über den Loiblpass und kehren nach einem kleinen Schwenker über den Seeberger Sattel wieder dorthin zurück. Denn schliesslich müssen wir ja noch unser Hotel finden. Obwohl dieses etwas versteckt ist, gelingt es uns dank dem Navi problemlos.
Nachdem wir uns einquartiert haben, werden wir auch von Michael herzlich begrüsst. Gemeinsam mit der Schwiegermutter essen wir in einem lokalen Restaurant. Später stösst auch noch Christiane zu uns.




Samstag, 5. Juli 2008

Route
: St. Kanzian - Seeberger Sattel - St. Kanzian - Autobahn Klagenfurt bis Villach - Wurzenpass - Kranjska Gora - Vrsic-Pass - Socatal - Predilpass - Lago del Predil - Tarvisio - Arnoldstein - Finkenstein - Freistritz - Klagenfurt - Tainach - St. Kanzian (320km)

Michael muss heute morgen noch arbeiten, will uns aber ein paar schöne Ecken in Slowenien zeigen. Deshalb fahren Urs und ich zuerst alleine zum Seeberger Sattel, wo Urs gestern Kurven für ein Fotoshooting entdeckt hat. Nachdem die Bilder auf dem Chip sind, kehren wir zurück nach St. Kanzian, wo Michael mit seiner Moto Guzzi Jackal schon auf uns wartet. Doch bevor wir losfahren können, muss Urs noch die Birne seines Abblendlichts austauschen.
Über die Autobahn führt Michael uns nach Villach. Von dort aus geht's über den Wurzenpass nach Kranjska Gora. Es folgt der berüchtigte Vrsic-Pass mit seinen Pflastersteinkehren. Nach einem kurzen Halt auf der Passhöhe fahren wir durchs wunderschöne Socatal, wo wir uns eine köstliche gegrillte Forelle zum Mittagessen verdient haben. Danach geht's über den Passo del Predil nach Italien. Am Lago del Predil genehmigen wir uns noch einen Espresso, bevor wir über Tarvisio wieder nach Österreich zurückkehren.
Vor der Rückkehr nach St. Kanzian haben Urs und Michael aber noch eine Überraschung auf Lager: für mich völlig unerwartet steuern die beiden ins Stadtzentrum von Klagenfurt und dort schnurstracks ins Parkhaus eines Supermarkts, weil Urs dort offenbar günstig irgend ein Produkt von Bill Gates erwerben kann (dabei ist  eh viel besser!). Nachdem das nicht klappt, kehren wir doch noch an den Klopeinersee zurück und werden von Michael und Christiane zu einer Buschenschenke geführt, wo's reichhaltige Bettljausen gibt. Wir lassen es uns schmecken!








Sonntag, 6. Juli 2008

Route
: St. Kanzian - Bleiburg - Mezica - Javorje - Crna Koroskem - Sostanj - Lokovica - Nazarje - Gornji Grad Slahovica - Kamniska Bistrica - Kamnik - Vodice - Valburga - Suha - Zelezniki - Zali Log - Bohjuska Bistrica - Jereka - Jesenice - Kranjska Gora - Vrsic Pass - Socatal - Vrsic-Pass - Kranjska Gora - Wurzenpass - Fürnitz - St. Kanzian (447km)

Mit Hilfe der Reiseführer, die ich mitgebracht habe, stellen wir uns heute selbst eine Route durch Slowenien zusammen. Natürlich muss auch der Vrsic-Pass noch einmal dabei sein! Über kurvenreiche Strassen und stimmungsvolle Dörfer gelangen wir nach Kamniska Bistica, wo wir eine kurze Pause einlegen und Urs mit seiner Kamera spannende Unterwasseraufnahmen macht.
Dann geht's weiter, bis unsere Strasse nach Zali Log plötzlich und unangekündigt gesperrt ist. Auf der Karte sehen wir, dass der Umweg sehr weit ist. Während Urs den TomTom Rider neu programmiert, kommen ein paar deutsche Velofahrer die gesperrte Strasse hinunter und erzählen, dass die Bauarbeiten praktisch abgeschlossen seien und nur noch der Asphalt fehle. Also beschliessen wir, den Umweg zu vermeiden und die gesperrte Strasse zu nehmen. Ich stimme zu, obwohl ich nicht gerne Mergelstrassen fahre. Doch alles geht bestens und Urs gratuliert mir, dass ich so gut folgen konnte.
Am Abend überqueren wir noch einmal den Vrsic. Auf der Bergfahrt fotografiere ich Urs in einer Kehre mit dem Handy, damit wir Angelo vom Forum ein MMS schicken können. Auf der anderen Seite des Passes bemerken wir, dass wir sehr spät dran sind. Deshalb verschieben wir die Rampe nach Mangart auf morgen, kehren auf der Stelle um und überqueren den Vrsic noch einmal - dieses Mal von der anderen Seite.
Nach dem Wurzenpass verspüren wir grossen Hunger und stoppen ausserhalb von Fürnitz in einer Pizzeria mit Gartenbeiz. Doch kaum haben wir Platz genommen, setzt ein derart orkanartiger Wind ein, dass wir ins Innere flüchten müssen. Nach einer herrlichen Pizza bei einem Guzzi-begeisterten Wirt steht uns noch eine kleinere Horrorfahrt bevor: in strömendem Regen und absoluter Dunkelheit tasten wir unseren Weg vorsichtig nach St. Kanzian zurück.






Montag, 7. Juli 2008

Route
: St. Kanzian - Klagenfurt - Ferlach - Arnoldstein - Tarvisio - Passo del Predil - Mangart - Lago del Predil - Sella Nevea - Raccolana - Pontrebba - Nassfeldpass - Tröpolach - Kötschach-Mauthen (238km)

Ohne zu wissen, wo wir übernachten werden, machen wir uns heute auf die Reise. Wir wissen einfach, dass wir in die Nähe von Kötschach-Mauthen gelangen wollen.
Nach dem Abschied von Michael fahren wir via Tarvisio von der anderen Seite als am Samstag über den Passo del Predil, denn wir wollen die Rampe nach Mangart noch befahren. Die Strecke dort hinauf ist äusserst eindrücklich. Leider ist das Wetter nicht besonders gut. Aufgrund der vielen Wolken können wir die tolle Aussicht nicht wirklich geniessen. Also begeben wir uns für einen weiteren Espresso und ein kleines Mittagessen an den Lago del Predil.
Danach gehts über enge, verwinkelte Strassen weiter: Sella Nevea und Nassfeldpass sind dabei die Höhepunkte. Leider setzt bald einmal leichter Regen ein, und es ist empfindlich kühl.
Als wir in Kötschach-Mauthen eintreffen, wird aus dem leichten Regen ein richtig unangenehmer Wolkenbruch. Wir finden unter einem Dach Schutz vor den Wassermassen. Als die Bescherung einfach nicht aufhören will und ich langsam ungeduldig werde, findet Urs im Navi die Adresse eines
Bikerhofs. Er überredet mich, dass wir unseren trockenen Unterstand verlassen und uns auf den Weg dorthin machen sollten. Als wir ankommen, sehe ich sofort, dass diese Unterkunft nicht Bikerhof, sondern Birkenhof heisst. Ich bin durch und durch nass und ziemlich wütend. Urs geht trotzdem hinein. Und siehe da: der Birkenhof ist auch ein wenig Bikerhof, wir können bleiben und unsere Klamotten in den Trockenraum geben. So ist unsere Unterkunft für die nächsten zwei Nächte also der Gasthof Birkenhof in Kötschach-Mauthen.





Dienstag, 8. Juli 2008

Route
: Kötschach-Mauthen - Plöckenpass - Paluzza - Ovaro - ... - Sauris di Sotto - Sauris di Sopra - Sella di Razzo - Sella Campigiotti - Vigo - Comelico - Kreuzbergpass - Sesto - Innichen - Sillian - Pustertaler Höhenstrasse - Lienz - Oberdrauburg - Kötschach-Mauthen (292km)

Das Profil des hinteren Reifens meiner 1200 Sport hat unterdessen die Legalitätsgrenze erreicht. Da es heute wieder nach Italien gehen soll und das Wetter immer noch eher feucht ist, beschliessen wir, die Augen nach einem gommista offen zu halten. Und tatsächlich - nach der Überquerung des Plöckenpasses entdeckt Urs in Paluzza eine kleine Werkstatt. Mit dem nur italienisch sprechenden gommista bin ich mir schnell einig: er montiert mir einen vier Jahre alten Pirelli Diabolo Corsa, den er in seinen Regalen gefunden hat. Nach telefonischer Rücksprache mit Walter in Büren bin ich sicher, dass das die beste Lösung ist.
Danach geht's weiter durch den Regen. Leider können wir die tolle Strecke aufgrund der nassen Strassen nicht so richtig geniessen. Einziger Glanzpunkt an diesem Morgen: eine hübsche Bardame, die Paparazzo Urs unbedingt ablichten muss.
Als es nach dem Mittag wieder trocken wird, ereignet sich auf der Pustertaler Höhenstrasse neues Missgeschick. Ich muss pinkeln gehen und mache meinem rasenden Stern von Bethlehem klar, dass er einmal bei einem geeigneten Baum anhalten soll. Doch der findet, ich soll mir den Baum selber aussuchen (reklamiere ich etwa zu viel?) und winkt mich vor. Sobald er ausnahmsweise einmal hinter mir fährt, entdeckt er, dass mir das Nummernschild fehlt. Also machen wir uns auf den Weg zurück und versuchen, das Teil am Strassenrand zu finden. Nach etwa 12 Kilometern passiert das Unerwartete dann tatsächlich: Urs hupt hinter mir, denn mit seinem Adler-von-Mandello-Auge, das die Strasse gnadenlos abgescannt hat, ist er fündig geworden. Das Nummernschild lag mitten auf der Strasse, und ich bin dabei vorbeigefahren, weil ich vor allem den Strassenrand abgesucht habe. Nach einer tüchtigen Predigt von Urs über die Untauglichkeit von Plastikhaltern für Wechselnummern und der Drohung, er würde ein Loch durch mein Schild bohren und es festschrauben, nehmen wir die letzten Kilometer zum Birkenhof unter die Räder. Dort haben wir allerdings etwas anderes zum Schrauben: bei beiden Maschinen sind die Lichter des Abblendlichts defekt (bei Urs zum zweiten Mal). Ich hätte mir auch nie ein hässliches Loch durchs Schild bohren lassen! Der Gummi, den mir Urs auslehnt, und eine regelmässige Kontrolle reichen mir völlig.




Mittwoch, 9. Juli 2008

Route
: Kötschach-Mauthen - Oberdrauburg - Lienz - Winklern - Sagitz (alte Passstrasse) - Heiligenblut - Grossglockner Hochalpenstrasse - Zell am See - Mittersil - Gerlospass - Zillertal - Achensee - Garmisch-Partenkirchen - Ehrwald - Fernpass - Imst - Hahntennjoch - Ehenbichl (420km)

Heute nehmen wir Abschied von Kärnten und vom Birkenhof. Unser nächstes Ziel ist das Hotel Maximilian Ehenbichl im Lechtal, wo ich schon zwei Mal mit der Motorradgruppe des TCS war.
Den Grossglockner erreichen wir ganz gemütlich ohne Verkehr über die alte Passstrasse. Auf der Fahrt hinunter werden wir jedoch von einem freundlichen Motorradpolizisten gestoppt (die österreichische Polizei hat scheinbar heute alle ihre Motorräder an den Grossglockner beordert) und aufgefordert, am Strassenrand zu warten, bis die Fahrer der Österreichrundfahrt vorbei sind. Mit der Kamera ausgerüstet warten wir auf den Tross. Danach gehts planmässig weiter zum Hotel Maximilian - fast planmässig, denn beim Fernpass spielt das Navi verrückt und jagt uns ständig wieder in die gleiche Schlaufe. Schliesslich löse ich meinen rasenden Stern von Bethlehem in der Führung für kurze Zeit ab und führe uns mit der Landkarte über das Hahntennjoch nach Ehenbichl, wo uns eine Suite mit gedecktem Balkon erwartet. Ausnahmsweise nehmen wir eine Flasche Rotwein mit aufs Zimmer, die ich auf der luxuriösen Terrasse zum grössten Teil alleine geniessen darf, weil Urs schon wieder eifrig am Navigieren ist.






Donnerstag, 10. Juli 2008

Route
: Ehenbichl - Namlostal - Mitteregg - Bichlbach - Reutte - Musau - Vils - Pfronten - Haldensee - Bad Oberjoch - Sonthofen - Fischen - Riedbergpass - Balderschwang - Hittisau - Krumbach - Oberstaufen - Sulzberg - Langen - Bregenz - Kressbronn - Tettnang - Ravensburg - Sigmaringen - Oberschmeien (321km)

Der heutige Tag beginnt mit einem Highlight: von einer Tour im Jahr 2004 habe ich das Namlostal noch in Erinnerung. Die geschwungenen Kurven um Namlos geniessen wir als erstes und machen noch ein paar Töffbilder. Dann geht's über Pfronten, Sonthofen und Balderschwang (wo ich diesen Sommer noch eine Tourenwoche verbringen werde) in Richtung Bodensee. In Bregenz suchen wir ein Motorradgschäft auf, weil ich an keiner Tankstelle 10W50-er Öl bekommen habe. Dort bringt Urs die Adresse eines österreichischen Guzzihändlers in Erfahrung und wir machen einen Abstecher dorthin.
Eigentlich war geplant, dass wir die letzte Nacht im Adler in Hohenbodman verbringen, wo unsere gemeinsame Fahrt ja auch begonnen hat. Doch am Handy erfahren wir, dass dieser Gasthof heute Ruhepause hat. Beim Mittagessen in Wasserburg beschliessen wir deshalb, schon heute zum Schwarzwald zu fahren und in der Nähe von Sigmaringen eine Unterkunft zu suchen.
Im Zentrum von Sigmaringen schlägt der TomTom Rider uns einen Gasthof Adler in Oberschmeien vor. Leider können wir diesen am Handy nicht erreichen, da die Telefonnummer, die das Navi angibt, nicht mehr gültig ist. Da ein Gasthof Adler für zwei Adler aus Mandello eine gute Adresse sein muss, schlage ich vor, dass wir mal hinfahren, bevor wir etwas anderes suchen. Dies stellt sich als Glücksgriff heraus. Wir werden sofort freundlich empfangen, erhalten zwei günstige Zimmer, eine Scheune für die Guzzi, hervorragendes Essen (und ich süffigen Rosé!) und ein reichhaltiges Frühstück in angenehmster Atmosphäre. Der Adler in Oberschmeien ist ein guter Tipp.






Freitag, 11. Juli 2008

Route
: Oberschmeien - Burg Wildenstein - Bärental - Schömberg - Alpirsbach - Triberg - Furtwangen - Hexenlochmühle - Todtnau - Schopfheim - Rheinfelden (301km)

Der letzte Tag führt uns durch den Schwarzwald zurück nach Hause. Bis zu einem geduldig erwarteten Mittagessen im Restaurant der Hexenlochmühle geniessen wir die Fahrt in vollen Zügen. Einziger Wermutstropfen: ich lasse meinen Helm noch einmal vom Tank fallen und beschädige die kunstvoll reparierte Visiermechanik wieder.
Nach dem Mittagessen sieht man deutlich, dass sich am Himmel etwas zusammenbraut. Doch zuerst ist noch einmal Geduld angesagt: eine Strecke ist wegen Baumfällarbeiten in beiden Richtungen gesperrt, was uns über eine Viertelstunde aufhält. Als es weitergeht, beschleunigen wir das Tempo und trennen uns dann in Schopfheim. Und da steht mir der schlimmste Augenblick der ganzen Reise noch bevor. In Badisch-Rheinfelden ist der Himmel unterdessen so grauschwarz, dass es fast dunkel wird. Auf der Autobahnbrücke beginnt es zu regnen. Da auf meinem direkten Heimweg eine Baustelle ist, beschliesse ich über die Autobahn und die Ausfahrt Rheinfelden Ost nach Hause zu gelangen. Als ich an der Ampelkeuzung bei der COOP-Tankstelle stoppen muss, beginnt es auf einen "Chlapf" abartig heftig zu regnen. Und in dem Moment, wie die Ampel auf grün schaltet und ich nach links in die Zürcherstrasse einbiegen will, kommt eine orkanartige Windböe auf mich zu, die mir den Regen ans Visier knallt, sodass ich nichts mehr sehe, und es mir unmöglich macht weiterzufahren. Und so stehe ich denn auf der Strasse und versuche mit aller Kraft, den Töff aufrecht zu halten. Ich bin völlig verzweifelt und sicher, dass ich's nicht schaffe. Da lässt der Wind für einen kurzen Augenblick nach - gerade lang genug, dass ich mich in die COOP-Tankstelle retten und dort das Ende des Spuks abwarten kann. Nach zehn Minuten ist alles vorbei und ich kann die letzten 300 Meter nach Hause problemlos unter die Räder nehmen.



Diese 4'700 Kilometer waren für mich ein tolles Erlebnis. Noch nie in meinem Leben habe ich in so kurzer Zeit so viele Spitzkehren gefahren und bin auf dem Töff derart intensiv gefordert gewesen. Dabei habe ich auch viel von Urs gelernt und ihm beim Hinterherfahren einiges von seiner Kurventechnick abgeguckt. Überhaupt gilt mein grosser Dank meinem Stern von Bethlehem. Wir waren ja ohne grosse Planung gestartet, und er hat unsere spontanen Pläne und Wünsche immer perfekt auf sein Navi übertragen, so dass wir die Fahrten immer beruhigt geniessen konnten. Ganz besonders ich konnte auch beruhigt sein, weil ich mich auch auf die technischen Kenntnisse von Urs verlassen konnte. Und wenn ich einmal ganz unsicher war, gab's immer noch das Telefon nach Büren zu Wädi.
Völlig überzeugt hat mich auch meine 1200 Sport wieder. Sie ist für Reisen einfach ein tolles Motorrad, auf das ich mich auf den 30'000 Kilometern, die ich damit in 15 Monaten abgespult habe, immer verlassen konnte (nachdem die Kinderkrankheiten überstanden waren).
14. Juli 2008

Herzlichen Dank Peter
Bei dem tollen Bericht von Peter bleibt mir nichts anderes als anzufügen, dass ich noch nie (Nie !!!!!!) einen Motorradreisepartner mit einem solchen Durchhaltevermögen und einer solchen Motorradkondition begleiten durfte.
Ja lieber Noniguzzi, das hat selbst unsere Gewaltstour durch die Französisch /Italienischen Alpen gtopppppppt.
Geduldig hat Peter meine Naviprogramierungsfehler ertragen und ist im Falle der einzigen Endlosschlaufe (Programmierfehler bei Programmänderung auf der Strecke) als kartenkundiger Ersatznavigator eingesprungen.
Grossartig ist Peter die selben Kurven für ein gezieltes Foto mehrfach durchfahren.
Dank meist getrennten Zimmern (oft ohne Aufpreis erhalten, weil wir nach getrennt stehenden Betten gefragt haben) sind wir uns nicht mit gegenseitiger Schnarcherei auf den Wecker gefallen.
Kullinarisch und in der Unterkunftsqualität hatten wir das Glück einen ausgewogenen MIX zu finden, so dass keiner von uns beiden zu sehr zurückstecken musste oder das Reisebudget des einen überfordert gewesen wäre.
Ausser der Fahrt Basel/Rheinfelden-Bodensee-Münstertal sind alle Tagestouren als TomTom Routenplanungsdatei erhalten und können bei Bedarf angefordert werden. Ich suche nach einer Möglichkeit diese allen im Netz zugänglich zu machen.
Das ganze ist, wie Peter in seinem Slovenien-Bericht beschrieben hat, recht spontan und ohne grosse vorausgehende Planung abgelaufen. Festgelegt war nur der Zeitrahmen von zwei Wochen und dass wir die Alpen und Berge zwischen Graubünden und Klagenfurt unsicher machen wollten. Gestartet sind wir nur mit ausreichend Kleidern, Kartenmaterial (Strassenkarten etc...), meinem Navi TomTom Rider 2 und ca. 2'320 Euro für Verpflegung und Unterkunft von Ross und Reiter (13 Tage Verpflegung und 12 Übernachtungen für zwei Personen sowie Benzin für 2 Motorräder für jeweils ca. 4'700 Km)
Ein Experiment, das aus meiner Sicht, Danke Peter, voll aufgegangen ist.


Peter Koller aus Rheinfelden

Lustvoll unterwegs,

aber genau so gerne wieder zuhause!

😏


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Letzte Aktualisierung: 20.07.2016